FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Das weitreichende US-Zollpaket stützt die Kurse von Bundesanleihen, die Renditen fallen. Im Handel mit Unternehmensanleihen fliegen Auto-Bonds aus den Portfolios.
4. April 2025. Das am Mittwochabend von US-Präsident Trump verkündete Zollpaket sendet Schockwellen durch die Märkte. Während die Aktienmärkte abstürzen, hat sich die Flucht in "sichere Häfen" wie Bundesanleihen fortgesetzt. "Die Erwartung eines Handelskriegs und einer wirtschaftlichen Abschwächung hat die Nachfrage nach als sicher empfundenen Anleihen gestützt", stellt Tim Oechsner von der Steubing AG fest. "In seiner ersten Amtszeit hat Trump noch alles dafür getan, dass es in der Wirtschaft und an den Börsen rund läuft", bemerkt Gregor Daniel, der für die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Anleihen handelt. "Jetzt will er offenbar die Globalisierung zurückdrehen, wohl mit enormem Schaden für die Weltwirtschaft."
Die Kurse von Bundesanleihen stiegen diese Woche deutlich, die Renditen fielen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt am Freitagmorgen bei 2,54 Prozent nach 2,73 Prozent vor einer Woche. Anfang des Monats nach Ankündigung des milliardenschweren Finanzpakets in Deutschland waren es sogar kurz über 2,93 Prozent. Zweijährige Bundesanleihen rentieren jetzt nachhaltig unter 2 Prozent - erstmals seit Ende 2024.
"Schwerer Spagat" für Notenbanken
Die Zollpolitik Trumps stellt auch die Notenbanken vor neue Herausforderungen. In den USA sind die Rezessionssorgen gestiegen. Gleichzeitig liegt die Inflation noch über dem Fed-Ziel, mit zuletzt höheren Inflationserwartungen. Befürchtet wird nun eine Stagflation. "Damit kommt es zu einem schweren Spagat für die US-Notenbank", bemerkt Oechsner.
Im Euroraum ist die Situation anders: Die Inflationsrate ist im März auf 2,2 Prozent gesunken, die Kernteuerungsrate auf 2,4 Prozent. "In den kommenden Monaten dürfte die Kerninflation weiter sinken und dem EZB-Ziel von 2 Prozent sehr nahekommen", meint Commerzbank-Analyst Vincent Stamer. Das spreche für eine weitere Zinssenkung durch die EZB im April.
Rege gehandelt werden Oechsner zufolge langlaufende US-Staatanleihen, konkret 2041 und 2042 fällige (, ), die im Moment mit 4,26 und 4,42 Prozent rentieren. Kein Thema mehr sind Daniel zufolge die in den Vorwochen stark gesuchten Anleihen in türkischen Lira, etwa die der European Bank for Reconstruction and Development EBRD (). "Die Türkei steht jetzt ganz im Schatten dessen, was in den USA passiert."
Porsche, Schaeffler und ZF unter Druck
Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen sind derzeit vergleichsweise volatil, wie Anleiheanalystin Christine Bredehöft von der DZ Bank erklärt. Auch das von der designierten Bundesregierung auf den Weg gebrachte Infrastrukturpaket habe zu dieser Entwicklung beigetragen. "Insgesamt halten sich die mit dem Infrastrukturpaket verbundenen Hoffnungen auf eine Belebung der deutschen und europäischen Konjunktur einerseits und die Befürchtungen negativer Auswirkungen der Zollpolitik andererseits weitgehend die Waage."
Im Handel mit Unternehmens-Bonds ist die Autobranche weiter im Fokus. Auf den Verkaufslisten stehen Daniel zufolge Porsche-Anleihen, aber auch Bonds von den Autozulieferern ZF () und Schaeffler (). "Das passt absolut ins Bild bei den veränderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen." Gute Nachfrage sieht er hingegen für die 2031 fällige Anleihe von MTU Aero Engines (), die aktuell 3,39 Prozent abwirft. Ebenso beliebt: als "solide" geltende Papiere von Nestlé () mit Fälligkeit in diesem Juni und aktuell 2,24 Prozent. "Insgesamt herrscht aber Ratlosigkeit: Wie soll man sich positionieren in diesen Zeiten?", beobachtet er. Oechsner meldet hohe Umsätze für Bonds von Siemens () und US-Dollar-Bonds von Apple () mit Fälligkeit 2028 und 2026 und aktueller Rendite von 2,23 und 3,52 Prozent.
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Etwas weniger Neuemissionen: Das Neuemissionsgeschäft von Unternehmensanleihen hat sich im ersten Quartal 2025 etwas abgekühlt. Wie die DZ Bank erklärt, sind die Emissionen nach deutlich gestiegenen Volumina im Vorjahr in den ersten drei Monate erwartungsgemäß zurückgegangen, und zwar um 14 Prozent auf 122 Milliarden Euro. Im Branchenvergleich seien Versorger- und Automobilemittenten weiterhin führend gewesen.
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Von Anna-Maria Borse, 4. April 2025, © Deutsche Börse
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