Volkswagen steht erneut in der Kritik: Wegen seiner Rolle im sogenannten Recycling-Kartell wurde der Konzern nun von der EU-Kommission zur Kasse gebeten. Rund 127 Millionen Euro muss der Wolfsburger Autobauer zahlen – der größte Einzelbetrag einer Gesamtsumme von 460 Millionen Euro, die gegen mehrere europäische Autohersteller verhängt wurde. Die Reputation von VW, zuletzt ohnehin angeschlagen durch die umstrittene Nähe seines türkischen Vertriebspartners Doğuş Otomotiv zur regierenden AKP, erleidet damit einen weiteren Rückschlag.
Hintergrund der Strafe sind langjährige Absprachen unter führenden Automobilherstellern wie VW, BMW, Renault und Stellantis. Zwischen 2002 und 2017 sollen sie sich mehrfach mit dem Lobbyverband Acea getroffen haben, um wettbewerbswidrige Vereinbarungen zu treffen. Unter anderem verweigerten sie gemeinschaftlich vorgeschriebene Ausgleichszahlungen an Recyclingbetriebe und tauschten sensible Vertragsdetails untereinander aus. Besonders brisant: Die Autobauer sollen sich darauf geeinigt haben, die Recyclingfähigkeit ihrer Fahrzeuge nicht offensiv zu vermarkten – aus Angst vor einem Wettbewerb um nachhaltige Technologien. Damit blockierten sie bewusst den Fortschritt über gesetzliche Umweltstandards hinaus.
Als Kronzeuge konnte sich Mercedes-Benz einer Strafzahlung entziehen. Der Konzern hatte die unlauteren Absprachen bei der Kommission zur Anzeige gebracht. Der Verband Acea, der als organisatorischer Dreh- und Angelpunkt des Kartells gilt, muss immerhin 500.000 Euro zahlen.
USA-Geschäft boomt – vorerst
Trotz der Negativschlagzeilen in Europa verzeichnet VW auf der anderen Seite des Atlantiks starke Verkaufszahlen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres stieg der Absatz in den Vereinigten Staaten um 7,1 Prozent auf 87.915 Fahrzeuge. Besonders gefragt waren das SUV Taos und die Limousine Jetta. Die erfreulichen Zahlen dürften jedoch zu einem nicht unerheblichen Teil auf Vorzieheffekte zurückzuführen sein. Viele US-Verbraucher kaufen aktuell gezielt europäische Autos, um möglichen Importzöllen zuvorzukommen – ein direkter Effekt der protektionistischen Handelspolitik von Donald Trump. Bei der VW-Tochter Audi purzelten die Verkaufszahlen hingegen deutlich.
Langfristig könnten genau diese Zölle jedoch zum Bumerang für deutsche Hersteller wie VW werden. Denn Trumps angekündigte Maßnahmen gegen europäische Produkte könnten die Exportbedingungen in den kommenden Jahren deutlich verschärfen.
von Finanztreff.de
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der alleinigen Gesellschafterin der finanztreff GmbH, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..