BONN (dpa-AFX) - Zur Vermeidung von Engpässen im Stromnetz ist im vergangenen Jahr die Grünstrom-Erzeugung in Deutschland um 3,5 Prozent reduziert worden. "Damit konnten 96,5 Prozent der erneuerbaren Energie ins Netz eingespeist und von den Endverbrauchern genutzt werden", teilte die Bundesnetzagentur in Bonn mit. 2023 lag dieser Wert bei 96 Prozent.
Die sogenannte Abregelung von Kraftwerken oder Wind- und Solaranlagen ist eine der Maßnahmen des Managements von Netzengpässen. Dabei wird die Leistung von Kraftwerken reduziert oder diese werden abgeschaltet. Es geht es darum, Überlastungen von Stromleitungen zu vermeiden, um so das Netz stabil zu halten. 2024 war insgesamt windärmer als 2023, sodass nicht so viel abgeregelt werden musste.
"Während im Norden Deutschlands zahlreiche Windkraftanlagen große Mengen Strom einspeisen, konzentrieren sich in den südlichen Bundesländern energieintensive Industrien mit hohem Stromverbrauch", erklärte die Bundesnetzagentur. Dies führe zu einem starken Nord-Süd-Stromfluss, der die Kapazitäten der bestehenden Übertragungsnetze teils erheblich überschreite.
Vor allem Windräder wurden abgeregelt
Als Gegenmaßnahme wird das Stromnetz für viele Milliarden Euro ausgebaut. Bis die Leitungen fertig sind, wird die Stromerzeugung umverteilt: "Die Einspeisung von Anlagen vor einem Engpass wird reduziert, während hinter dem Engpass andere Erzeugungsanlagen hochgefahren werden." Vor allem Windkraftanlagen wurden abgeregelt, aber auch Photovoltaikanlagen sowie konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke. Zur Erhöhung der Einspeisung hinter dem Engpass kamen vor allem Erdgas- und Steinkohlekraftwerke zum Einsatz.
Die meiste Windkraft (See und Land) wurde in Niedersachsen und Schleswig-Holstein abgeregelt. Bei den Solaranlagen war die Abregelung in Bayern am höchsten.
Engpassmanagement kostete 2024 knapp 2,8 Milliarden Euro
Werden Anlagen abgeregelt, stehen den Betreibern Entschädigungen zu. Umgekehrt werden Kraftwerksbetreiber für den zusätzlichen Einsatz ihrer Anlagen bezahlt. Die Kosten für das gesamte Engpassmanagement sanken 2024 im Vergleich zum Vorjahr erneut, und zwar um 17 Prozent auf knapp 2,8 Milliarden Euro. Als Gründe gab die Behörde gesunkene Brennstoffpreise sowie ein geringeres Maßnahmenvolumen als 2023 an. Die Kosten werden über die Netzentgelte auf alle Stromverbraucher umgelegt./tob/DP/nas