Der Widerstand der Grünen gegen das riesige Schulden-Paket der Bundesregierung konnte mit 100 Milliarden ausgeräumt werden. Das sorgte am deutschen Aktienmarkt zum Wochenschluss für richtig gute Stimmung. Der DAX erreichte zeitweilig sogar wieder die 23.000-Punkte-Marke. Große Gewinner waren Rüstungs-Aktien. Und Erneuerbare Energien.
CDU/CSU, SPD und Grüne haben sich auf die neuen Rüstungs- und Infrastruktur-Töpfe und die damit verbundene notwendige Verfassungsänderung geeinigt. Das sorgte für steigende Aktienkurse. Der DAX ging 1,8 Prozent höher bei 22.986,82 Punkten aus dem Handel. Zeitweise notierte er sogar zurück über der Marke von 23.000 Zählern. Das zuvor deutliche Wochenminus machte der Leitindex damit fast komplett wett. Der MDAX legte vor dem Wochenende sogar 2,4 Prozent auf 29.164 Punkte zu.
Auch für die europäischen Börsen ging es aufwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss 1,4 Prozent im Plus bei 5.404 Punkten. In Zürich, Paris und London standen ebenfalls Kursgewinne zu Buche. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial zog zum europäischen Handelsschluss ebenfalls fast anderthalb Prozent an, während sich auch der von Tech-Titeln dominierte Nasdaq 100 um rund zwei Prozent erholte. Für verhaltenen Optimismus sorgte in New York die Hoffnung, dass sich ein befürchteter Stillstand der Regierungsgeschäfte in den USA noch abwenden lässt.
"Die Anlegerstimmung hat sich heute mit einem Schlag gedreht",
kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Mit der
wiedergewonnenen finanziellen Beweglichkeit könne Deutschland nun
notwendige strukturelle Reformen angehen und gleichzeitig auf ein Ende
der konjunkturellen Talsohle hoffen. Der amtierende Bundestag soll das
Finanzpaket am Dienstag beschließen.
Zu den großen Gewinnern vom Finanzpaket zählten die Anbieter Erneuerbarer Energien. "Die Grünen konnten viele Forderungen durchsetzen", so ein Marktteilnehmer. So sollen 100 Milliarden der 500 Milliarden Euro aus dem Infrastruktur-Paket in einen Klimafonds fließen. Das ist das Doppelte dessen, was zuvor im Gespräch war.
Windkraft-Papiere etwa von Nordex kletterten um 3,9 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Siemens Energy legte im DAX 2,3 Prozent zu. SMA Solar verbesserten sich um weitere 4,6 Prozent auf 21,80 Euro.
Auch Rüstungs-Aktien profitierten weiter. Die Papiere von Rheinmetall (+6,3%), Renk und Steyr Motors stiegen auf neue Bestmarken. Davon profitierte außerdem Mutares mit einem Kurssprung von fast einem Viertel, die Beteiligungsgesellschaft hält knapp 71 Prozent der Steyr-Anteile. Hensoldt legte um 7,1 Prozent zu und näherte sich dem Rekordhoch bei 75,90 Euro von Anfang März.
Der Baustoff-Konzern Heidelberg Materials zog um 3,8 Prozent an, für Bilfinger und Hochtief ging es ebenfalls deutlich aufwärts.
Die Aktien von BMW pendelten derweil um ihren Schlusskurs vom Vortag und verabschiedeten sich 0,3 Prozent tiefer aus dem Handel. Der Autobauer geht nach einem Gewinneinbruch mit Vorsicht ins neue Jahr. 2024 belasteten das schwache Geschäft in China und Probleme mit Bremssystemen spürbar. Das vierte Quartal sei schwach ausgefallen, genauso wie der Ausblick auf die Auto-Marge im neuen Geschäftsjahr, schrieb UBS-Analyst Patrick Hummel.
Nach einem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr will Daimler Truck 2025 wieder mehr Geld im Tagesgeschäft verdienen. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi attestierte dem Nutzfahrzeughersteller einen soliden Ausblick. Die Aktien stiegen nach deutlichen Vortagesverlusten 2,3 Prozent. Mögliche Anpassungen an den Emissionsgrenzen für Lkw in den USA und die US-Zollpolitik belasteten weiterhin.
Auch die Aktien von Bayer zählten mit plus 1,7 Prozent zu den Gewinnern im Dax. Wie das "Handelsblatt" berichtet, erzielte Bayer in seinem Bemühen, die Glyphosat-Klagen in den USA einzudämmen, einen Fortschritt. Dabei gehe es um eine Gesetzesänderung im US-Bundesstaat Georgia, die Parlament und Senat abgesegnet hätten. Der Änderung müsse der Gouverneur noch zustimmen.
Die Titel von Bechtle chwankten nach dem Ausblick des IT-Dienstleisters zunächst stark, reagierten mit Kursgewinnen von 4,9 Prozent aber letztlich sehr positiv. Insbesondere das erste Halbjahr dürfte schwach verlaufen, räumte Bechtle-Chef Thomas Olemotz ein. Allerdings könne vor allem das Geschäft mit der öffentlichen Hand dann anziehen, wenn sich eine neue Bundesregierung auf einen Haushalt geeinigt habe.
Die Papiere von Redcare Pharmacy legten 6,3 Prozent auf 134,90 Euro zu. Schub gab eine Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux mit einem Kursziel von 152 Euro. Die Experten der Investmentbank trauen der Online-Apotheke weiteres Wachstum bei steigender Profitabilität und positiven Automatisierungsimpulsen zu.
Enthält Material von dpa-AFX