Seit gut einem Monat hat Mercedes-CEO Ola Källenius den Vorsitz beim europäischen Branchenverband für Autobauer ACEA inne. In einem offenen Brief wendet sich der Manager nun an die EU. Källenius sieht Europas Autoindustrie gefährdet – mit Hilfe aus der Politik sei aber noch nichts verloren. Daher stellt er drei Forderungen an die EU-Kommission.
Im Brief mit dem Titel „Boosting Europe’s automotive competitiveness for renewed economic growth“ zeichnet Källenius ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Er warnt vor geopolitischen Spannungen, intensiver globaler Konkurrenz und schleppender Transformation. „Europa und seine Wirtschaft stehen an einem Scheideweg“, schreibt der ACEA-Präsident. Trotz der Herausforderungen sieht Källenius aber Chancen: „Wenn wir den richtigen Weg einschlagen, können wir gestärkt aus der Transformation hervorgehen.“Als erstes fordert Källenius eine „realitätsnahe Dekarbonisierung“ der Autoindustrie. Zwar bleibe das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 bestehen, doch es brauche marktorientierte Anreize statt rigider Strafen. „Der europäische Green Deal muss flexibler werden“, betont er. Die europäischen Autobauer hätten bereits ein breites Angebot an attraktiven elektrifizierten Fahrzeugen. Allerdings lasse die Nachfrage das geforderte Transformationstempo nicht zu. Besonders die Unsicherheiten rund um CO2-Ziele ab 2025 würden die Branche belasten. Potenzielle Strafen oder Ausgaben für etwaige CO2-Pools könnten zu Lasten der Investitionen in Forschung und Entwicklung gehen. Zudem fordert Källenius eine bessere Infrastruktur für E-Mobilität.
Källenius drängt darüber hinaus auf ein ganzheitliches Industriestrategiepaket. Europa müsse regulatorische Hindernisse abbauen und die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Hersteller stärken. Dazu schlägt er vor, den Binnenmarkt zu vollenden und die Kapitalmarktunion voranzutreiben. „Die hohen Arbeits- und Energiekosten in Europa schwächen uns“, warnt er. Nur durch gezielte Reformen bei Regulierung und Innovation könne Europa langfristig mithalten.Seine dritte Forderung zielt auf die internationalen Handelsbeziehungen ab. Die EU müsse eine Balance zwischen Wettbewerb und Kooperation finden. „Handelskriege haben keine Gewinner“, mahnt Källenius hinsichtlich der Strafzölle für chinesische Hersteller. Stattdessen fordert er den Ausbau nachhaltiger Handelsbeziehungen, etwa mit den USA und China. Der kürzlich geschlossene EU-Mercosur-Deal sei ein Schritt in die richtige Richtung.