Am Dienstag erlebte die Nvidia-Aktie einen drastischen Kursrückgang von 9,5 Prozent, was einem Wertverlust von 278,9 Milliarden Dollar entspricht – der größte Verlust, den eine US-Aktie jemals an einem einzigen Tag verzeichnete. Hintergrund dieses Kursrückgangs könnten Untersuchungen des US-Justizministeriums sein, die sich mit Nvidias geplanter Übernahme der Firma RunAI befassen.
Seit der Veröffentlichung der jüngsten Geschäftsberichte, die hinter den hohen Markterwartungen zurückblieben, hat die Aktie innerhalb von drei Handelstagen insgesamt 14 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Im späten Handelging es um weitere zwei Prozent bergab, ausgelöst durch Vorladungen des US-Justizministeriums. Diese Untersuchung betrifft mögliche Kartellrechtsverstöße, insbesondere im Zusammenhang mit Nvidias geplanter Übernahme von RunAI, einem Unternehmen für die Verwaltung von KI-Computern. RunAI entwickelt Software für die Verwaltung von KI-Computern. Die Wettbewerbshüter prüfen dabei, ob Nvidia durch seine Technologie Kunden bevorzugt behandelt und ihnen bessere Konditionen bietet.
Boom vorbei?
Die Analysten äußern zunehmend Zweifel an der Nachhaltigkeit des aktuellen KI-Hypes. Michael Cembalest, Vorsitzender für Markt- und Anlagestrategie bei JPMorgan Asset Management, warnte, dass die aktuellen KI-Investitionen nur dann gerechtfertigt seien, wenn die Nachfrage nach KI-Diensten auch außerhalb der Tech-Branche signifikant ansteige. Jean Boivin vom BlackRock Investment Institute betonte, dass „Geduld erforderlich“ sei und die tatsächliche Nutzung von KI in der Wirtschaft „Jahre, nicht Quartale“ dauern werde.
Auswirkungen auf den Halbleitersektor
Die Turbulenzen um Nvidia hatten weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Halbleitersektor. Alle 30 Mitglieder des Philadelphia Semiconductor Index verzeichneten Verluste von mindestens 5,4 Prozent. On Semiconductor, KLA Corp. und Monolithic Power Systems verloren mehr als neun Prozent. Der Nasdaq sank um nahezu 3,2 Prozent.
Technologiegiganten wie Alphabet, Microsoft und Apple wurden ebenfalls in die Abwärtsbewegung hineingezogen und verzeichneten Verluste von mindestens 1,9 Prozent. Paul Nolte, Marktstratege und leitender Vermögensverwalter bei Murphy & Sylvest Wealth Management, zog historische Parallelen zur Dotcom-Ära und bemerkte, dass die ersten erfolgreichen Internetfirmen selten die langfristigen Gewinner waren. Er äußerte Zweifel daran, ob die derzeit hohen Bewertungen auf Dauer gerechtfertigt sind.
Ökonomische und geopolitische Faktoren
Neben der spezifischen Entwicklung im Technologiesektor trugen auch makroökonomische und geopolitische Faktoren zu der Unsicherheit bei. Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum belasteten die globalen Rohstoffmärkte, von Öl bis Kupfer. Zudem zeigten US-Produktionsdaten einen Anstieg der gezahlten Preise, was die Inflationserwartungen anheizte und potenziell zu einer restriktiveren Geldpolitik führen könnte.
Laut Brian Mulberry, Kundenportfoliomanager bei Zacks Investment Management, stellt sich nun die Frage, ob die US-Wirtschaft eine "weiche Landung" schaffen oder ob die Arbeitslosigkeit merklich ansteigen wird. Diese Unsicherheiten treiben die Volatilität an und belasten insbesondere überbewertete Sektoren (mit Material von dpa-AFX).
von Sarina Rosenbusch
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.