Kering hat kürzlich einen signifikanten Rückgang des operativen Gewinns sowohl im ersten Halbjahr als auch für das kommende zweite Halbjahr 2024 veröffentlicht. Konsumflauten und Sanierungsbemühungen bei Gucci belasteten die Gewinnmargen. Das Vertrauen der Anleger in die Papiere des Modekonzerns schwindet zusehends. Zudem setzt das Zahlenwerk die gesamte Branche unter Druck.
Kering verzeichnete im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinneinbruch und erwartet im zweiten Halbjahr 2024 einen weiteren signifikanten Rückgang des wiederkehrenden operativen Gewinns um etwa 30 Prozent. Ursache hierfür sind eine Konsumflaute sowie Sanierungsbemühungen bei Gucci. Bereits im ersten Halbjahr 2024 verzeichnete Kering einen Rückgang des wiederkehrenden operativen Überschusses um 42 Prozent und warnte zuvor vor einem Einbruch von 40 bis 45 Prozent. Der operative Überschuss bis Ende Juni 2024 betrug somit 1,6 Milliarden Euro. Der Nettogewinn von Kering halbierte sich auf 878 Millionen Euro im zweiten Quartal 2024.
Luxussektor steht unter Druck
Die gesamte Luxusmodebranche kämpft seit Monaten mit schwacher Nachfrage, was sich auch in den Ergebnissen von Kering widerspiegelt. Im zweiten Quartal 2024 sank der Umsatz des Konzerns um elf Prozent auf rund neun Milliarden Euro. Besonders betroffen war Gucci, das Aushängeschild des Luxuskonzerns verzeichnete Umsatzeinbußen aufgrund einer veränderten Kundenorientierung im asiatisch-pazifischen Raum.
Das sagen die Analysten
Mehrere Analysten haben nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen die Kursziele für die Kering-Aktie sowie die Einstufung gesenkt.
Die Schweizer Großbank UBS hat die Aktie von "Kaufen" auf "Neutral" herabgestuft und das Kursziel von 410 auf 310 Euro gesenkt. Analystin Zuzanna Pusz erklärte, dass Kering zwar Fortschritte mache, sich die Erholung jedoch verzögern werde. Insbesondere bei der wichtigsten Marke Gucci werde die erwartete positive Entwicklung im zweiten Halbjahr ausbleiben. Pusz reduzierte ihre Gewinnschätzungen bis 2026 um bis zu 26 Prozent.
Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs senkte das Kursziel deutlich – von 305 auf 270 Euro – und behielt die Einstufung "Neutral" bei. Analystin Louise Singlehurst bemerkte, dass die Halbjahreszahlen nur knapp unter den Erwartungen lagen, aber der operative Ergebnisausblick für die zweite Jahreshälfte vorsichtiger sei als erwartet.
JPMorgan reduzierte das Kursziel von 325 auf 225 Euro und behielt ebenfalls die Einstufung "Neutral" bei. Analystin Chiara Battistini stellte fest, dass die Ergebnisse nach der Gewinnwarnung im April keine Überraschungen boten und keine Verbesserung bei Gucci erkennen ließen. Da Kering einen stärkeren Rückgang des Jahresergebnisses (EBIT ) prognostiziert, senkte die JPMorgan-Analystin ihre Schätzungen für EBIT und Gewinn je Aktie erneut zweistellig.
Das macht die Kering-Aktie
An der Börse fällt die Kering-Aktie aufgrund der enttäuschenden Resultate um knapp acht Prozent. Aus charttechnischer Sicht nimmt das Papier damit Kurs auf die 275-Euro-Marke. Seit Jahresbeginn hat das Papier des französischen Luxuskonzerns rund 30 Prozent eingebüßt (mit Material von dpa-AFX).
von Jan-Paul Fóri