Die Richterin des Berufungsgerichts kam am Freitagnachmittag zu dem Schluss, dass sich die Kläger im Streit mit den Pharmakonzernen auf ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse berufen dürfen. Sie will, dass die wissenschaftlichen Argumente beider Seiten vor Gericht besprochen und von einer Jury verhandelt werden. Die Entscheidung gilt als schwerer Schlag für Pfizer und andere frühere Hersteller von Zantac. Diese wollten Richterin Vivian Medinilla überzeugen, dass sie dem Beispiel eines Bundesrichters aus Florida folgt. Dieser hatte die Krebsnachweise im Jahr 2022 als unzuverlässig zurückgewiesen. Richter in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Illinois hatten hingegen einen Großteil derselben Beweise anerkannt.
GSK und Pfizer wollen gegen die Entscheidung des Gerichts in Delaware in Berufung gehen, wie beide Unternehmen am Samstag erklärten. Sanofi sieht sich mit etwa 25.000 Klagen in Delaware konfrontiert, hält sie nach eigenen Angaben aber nicht für prozesswürdig. Boehringer Ingelheim reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Bloomberg.
Zantac wurde 1983 zugelassen und war eines der ersten Medikamente, das später einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr erzielte. Es war eines der Spitzenprodukte von GSK, später dann an an Pfizer, Boehringer Ingelheim und zuletzt Sanofi weitergereicht. Die US-Gesundheitsbehörde forderte die Hersteller schließlich auf, Zantac im Jahr 2020 vom Markt zu nehmen. Alle Hersteller weisen den Vorwurf weiter zurück, Zantac sei krebserregend.
Auf GSK könnten Belastungen in Milliardenhöhe zukommen. Im Jahr 2022 schätzte Morgan Stanley die potenzielle Haftung für die Branche auf bis zu 45 Milliarden Dollar. Mittlerweile gab es erste Vergleiche.
(Mit Material von dpa-AFX)