Am deutschen Aktienmarkt scheinen sich die Anleger zur Wochenmitte wieder aus der Deckung zu wagen. Der DAX dürfte zu Beginn des Handelstags ein leichtes Plus von 0,14 Prozent auf 17.720 Punkten verzeichnen. Damit zeigt sich der Markt vor der mit Spannung erwarteten Anhörung von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem US-Kongress relativ stabil. Zudem stehen folgende Themen im Fokus.
1. Gewinnmitnahmen an den US-Börsen
Am Dienstag zogen sich die Anleger an den US-Aktienmärkten zurück und realisierten Gewinne, besonders im Technologiesektor. Impulse durch bevorstehende Arbeitsmarktdaten und die Erwartung von Äußerungen des US-Notenbankchefs Jerome Powell vor dem Kongress ließen die Anleger vorsichtig agieren. Verstärkte Sorgen über hohe Bewertungen im Technologiebereich führten zu einem deutlichen Rückgang am US-Markt.
Der Nasdaq 100 verlor spürbar an Wert und fiel um 1,80 Prozent auf 17.897 Punkte. Dieser Rückgang markierte eine signifikante Kehrtwende nach einem Zuwachs von bis zu 30 Prozent seit Oktober. Auch an der Wall Street war die Stimmung gedämpft: Der Dow Jones gab um 1,04 Prozent auf 38.585 Punkte nach, während der breit gefasste S&P 500 um 1,02 Prozent auf 5.078 Zähler sank.
Zu den Einzelwerten mit auffälligen Bewegungen zählten die Papiere von Nvidia, die trotz Schwankungen um 0,9 Prozent zulegten und somit den Abstand zu Apple in Bezug auf die Marktkapitalisierung auf knapp 500 Milliarden Dollar verringerten. Im Gegenzug fielen Apple-Aktien um 2,8 Prozent, was einen fast 15-prozentigen Verlust seit Dezember bedeutet. Tesla musste ebenfalls einen Rückgang hinnehmen, die Aktien fielen um 3,7 Prozent aufgrund von Sorgen um die Absätze in China.
Intel zählte mit einem Rücksetzer von 5,4 Prozent zu den deutlichen Verlierern des Tages, während AMD sein Minus auf lediglich 0,1 Prozent reduzierte, trotz der Nachricht, dass die USA den Versand neuer KI-Chips nach China blockieren könnten.
Im Kontrast dazu stand der Einzelhandelssektor, wo Target-Aktien um zwölf Prozent sprangen und damit den höchsten Stand seit elf Monaten erreichten. Unterstützung erhielten sie durch über den Erwartungen liegende Quartalszahlen, was auch Walmart zu einem Plus von 1,25 Prozent verhalf.
Davita, ein Unternehmen aus dem Bereich der Dialyse, verzeichnete mit einem Anstieg um 7,1 Prozent eine bemerkenswerte Entwicklung und näherte sich damit seinem Rekordhoch. Die allgemeine Stimmung in der Branche profitierte von Studiendaten, die eine enttäuschende Effizienz eines potenziell geschäftsschädigenden Medikaments von Novo Nordisk zeigten.
2. Gemischte Vorgaben aus Asien
Die asiatischen Aktienmärkte zeigten am Mittwoch ein gemischtes Bild. In Japan gab der Nikkei 225 leicht nach und verlor 0,1 Prozent auf 40.067 Punkte. Demgegenüber stand Hongkongs Hang Seng, der eine bemerkenswerte Erholung zeigte und um 2,3 Prozent auf 16.567 Punkte zulegte, nur einen Tag nachdem er einen Rückgang von 2,6 Prozent erlebt hatte. Derweil stieg der Shanghai Composite Index in China geringfügig um 0,1 Prozent auf 3,051 Punkte.
3. Ölpreise schwächeln
Die kürzliche Abwärtsbewegung der Ölpreise lässt sich durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren erklären, von denen zwei besonders hervorstechen: Einerseits die Skepsis bezüglich des wirtschaftlichen Wachstums in China und andererseits die Auswirkungen der Produktionskürzungen durch die OPEC-plus-Mitgliedstaaten.
China, als die zweitgrößte Volkswirtschaft weltweit, hat für das Jahr 2024 ein relativ bescheidenes Wirtschaftswachstumsziel von etwa fünf Prozent festgelegt. Diese Zielsetzung wurde von Anlegern und Analysten als unzureichend empfunden, um Vertrauen in eine dynamische Erholung der chinesischen Wirtschaft zu schaffen. Zusätzlich wurden bislang keine signifikanten wirtschaftlichen Stimuli angekündigt, um die nach den COVID-19-bedingten Einbußen weiterhin schwächelnde Wirtschaft zu beleben. Diese Skepsis trug wesentlich zur Abwärtsbewegung der Ölpreise bei, wobei sich Brent auf 82,04 Dollar pro Barrel und West Texas Intermediate auf 78,15 Dollar pro Barrel verringerten.
Parallel dazu haben die OPEC-plus-Mitgliedsländer ihre zuvor angekündigten Produktionskürzungen beibehalten. Diese Strategie, primär ausgerichtet auf eine Stabilisierung des Marktes und eine Stützung der Ölpreise in Zeiten unsicherer Nachfrage, kollidierte mit einer steigenden Produktion durch Nicht-OPEC-plus-Länder. Diese gegensätzlichen Kräfte – die Anstrengungen der OPEC plus, die Ölpreise durch Angebotsreduktionen zu stützen und die gleichzeitige Zunahme der Produktion in anderen Ländern – haben zusammen mit der Unsicherheit um Chinas Wirtschaftswachstum zu einem nachlassenden Preisdruck auf dem globalen Ölmarkt beigetragen.
4. Konjunkturdaten
Am Mittwoch stehen wichtige konjunkturelle Termine und Ereignisse an, die potenziell entscheidenden Einfluss auf die Finanzmärkte haben könnten. In Deutschland wird die Handelsbilanz für Januar präsentiert, zusammen mit den Umsatzzahlen im Dienstleistungsbereich für Dezember 2023. Parallel dazu beginnt der „Finanzplatztag“ der „Börsen-Zeitung“, mit hochkarätigen Teilnehmern wie Matthias Danne (DekaBank-Vorstand), Getrud Traud (Helaba-Chefvolkswirtin) und Bettina Orlopp (Commerzbank-Finanzvorständin). Zudem bietet die Pressekonferenz zur ifo-Konjunkturprognose für das Frühjahr 2024 um 10:30 Uhr weitere Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.
In den USA stehen am Nachmittag zudem ADP Beschäftigungsdaten sowie die Lagebestände im Großhandel auf der Agena.
5. Powell-Anhörung und Beige Book
Überdies wird sich US-Notenbankchef Jerome Powell am Nachmittag um 16 Uhr vor dem US-Kongress zur Geldpolitik in den USA äußern. Es sei die Angst, dass Powell bei seiner Anhörung nach den vom Markt anfänglich erwarteten sechs und mittlerweile nur noch drei Zinssenkungen plötzlich gar nichts mehr von einer Zinswende noch in diesem Jahr wissen wolle, konstatierte Konstantin Oldenburger, Analyst beim Broker CMC Markets im Vorfeld. Um 20 Uhr steht zudem das Fed Beige Book auf der Tagesordnung. Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung von Kommentaren der zwölf regionalen US-Zentralbanken über die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen in ihrer Region.
6. Unternehmensnews
Im vorbörslichen Handel standen am Mittwoch die Papiere von DHL und Symrise im Fokus. Beide Unternehmen haben am Morgen ihre Jahreszahlen veröffentlicht. Während die DHL Group die Anleger mit einem schwachen Ausblick und einem rückläufigen Gewinn enttäuschte, ging es für die Symrise-Aktie um gut zwei Prozent nach oben.
Bayer hat zudem einen Glyphosat-Prozess in den USA gewonnen. Nachdem die Aktie am Vortag auf ein neues Mehrjahrestief gefallen ist, geht es daher vor dem Xetra-Start nun um rund zwei Prozent nach oben (mit Material von dpa-AFX).
von Jan-Paul Fóri