Der Chemiekonzern Lanxess hat die Anleger am Dienstagabend geschockt. Wegen einer überraschend schwachen Nachfrage 2023 und 2024 muss das Unternehmen mehr als eine halbe Milliarde Euro abschreiben. Die Aktie steht am Mittwoch entsprechend unter Druck.
Lanxess hat die Anleger mit der Ankündigung von Abschreibungen in Höhe von über einer halben Milliarde Euro aufgerüttelt. Dabei entfallen 413 Millionen Euro Abschreibungen auf die Geschäftsbereiche Flavors & Fragrances sowie Polymer Additives. Zudem werden für das Kunststoff-Gemeinschaftsunternehmen Envalior erhebliche Wertminderungen im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet, was durch eine schwache Nachfrage in den Jahren 2023 und 2024 begründet wird.
Im Hinblick auf Envalior, ein Joint Venture mit Royal DSM zur Verringerung der Abhängigkeit von Konjunkturschwankungen, hat Lanxess trotz einer bereits erfolgten Wertminderung im dritten Quartal und einem Buchwert der Beteiligung von rund 1,06 Milliarden Euro zu Ende September eine ambitionierte Strategie verfolgt. Lanxess besitzt einen Anteil von gut 40 Prozent an Envalior, mit einer Option für Advent International, diesen Anteil nach drei Jahren zu erwerben.
Analystenreaktionen
Chris Counihan von Jefferies führt die Wertberichtigung im Segment Flavors & Fragrances auf die Übernahme von Emerald Kalama Chemical im Jahr 2021 zurück. Chetan Udeshi von JPMorgan äußert sich besorgt über die hohe Verschuldung im Verhältnis zum operativen Gewinn von Lanxess und der Beteiligung Envalior.
Kennzahlen
Für die ersten neun Monate 2023 verzeichnete Lanxess ein Konzernergebnis von knapp 1,2 Milliarden Euro, wobei ein Nettoverlust von 266 Millionen Euro entstand, wenn Transaktionseffekte rund um Envalior außer Acht gelassen werden. Dies steht im Kontrast zu einem Plus von 184 Millionen Euro im fortgeführten Geschäft im Vergleichsjahr 2022. Trotz der erheblichen Wertminderungen sind diese jedoch nicht zahlungswirksam und beeinflussen das EBITDA nicht direkt. Lanxess bleibt dabei optimistisch, die durchschnittliche Analystenerwartung von einem EBITDA in Höhe von 510 Millionen Euro für das Jahr 2023 zu treffen, wenngleich dies am unteren Ende der eigenen Zielsetzung von 500 bis 550 Millionen Euro liegt.
Das macht die Lanxess-Aktie
Die Lanxess-Aktie fällt um 3,3 Prozent auf 22,90 Euro (mit Material von dpa-AFX).
von Sarina Rosenbusch